Premiere war am 15.März 2008
Regie: Mathias Neuber
Text von Stephan Hehl, Mathias Neuber
(TOR-) TOUR DEUTSCHLAND oder Fuchshasenow in den Zeiten der Globalisierung -- Bogdan Glitchko, Entertainer und bekennender Ukrainer, erkundet trickreich und mit den Mitteln gemeinster Investigation brandenburgische Seelenlandschaft und beleuchtet ein überwiegend freundliches, manchmal etwas nostalgisches (Ost-) Deutschland. „ .. wie man dem Ensemble insgesamt bescheinigen muss, mit großem Spielwitz und auf hohem darstellerischem Niveau zu agieren. Herauszuheben ist hier Markus Roder, der als das Schlitzohr Glitchko ... (und) als perfekter! Rudi Carell schnell die Lacher auf seiner Seite hat.“
nicht mehr im Programm




Ein Mann stellt sich tot, um - von auf den Feierabend fixierten Grenzbeamten auf die andere Seite geschafft zu werden. Dies gelingt so gut, dass er mehrmals hin und her transportiert wird, bis er da hängen bleibt, wo er hin wollte: In Deutschland.
Bogdan Glitchko alias Markus Roder, der Ukrainer und Entertainer, ist angekommen und geht seiner ihm von den EHRLICHEN verordneten Aufgabe nach: Durch Interviews a la Borat deutsche, und vor allem brandenburgische, Seelenlandschaft bloß zu legen. Damit ist das Thema gesetzt, der Ton angeschlagen: Deutschland, ein sowohl multikulturelles als auch, und besonders in Fuchshasenow, national beharrendes Land, aus der Perspektive der asiatischen Steppe betrachtet.
Da passiert es, dass englische Fußballfans zu Hilfe gerufen werden müssen, um schwachbrüstigen deutschen Zeitgenossen zu zeigen, was ein echter Deutscher ist; dass ein Aussteiger aus der rechten Szene als Belohnung für seinen Ausstieg
ein Abo des Völkischen Beobachters fordern kann; dass der brandenburgische Jungunternehmer im Boxcoaching lernt,
wie man schwangere Frauen schlägt, um sich fit zu machen für den Konkurrenzkampf im eigenen Unternehmen, und dass eine grüne Aktivistin irritiert schweigt, als sie in New York ob ihrer Prinzipientreue bei der Rettung des Globus
als Deutsche erkannt wird. Dieses wird unterhaltsam serviert, doch zuweilen spürt man auch den EHRLICHEN deutschen Blick,
der besonders zum Schluss hin zuweilen etwas dozierend daher kommt; wie man auch gelegentlich manchmal den Eindruck hat, dass das Programm, angesiedelt zwischen Theater und Kabarett, sich für letzteres nicht vollständig entscheiden kann. Dies ist nicht immer ein Nachteil, so zeichnen sich viele der Figuren durch große soziale Authentizität
aus, stellvertretend seien hier der Bäcker Samentöter genannt, gespielt von Holger Püschel, dem, vom Fernsehen zu den schwulen Störchen auf seinem Dach seiner Bäkerei befragt, nur ein hilfloses Lachen gelingt.
Oder Sandra Barthold, die einer Fußballfanatikerin aus der Unterschicht durchaus auch berührende Aspekte abzugewinnen vermag. Wie man dem Ensemble insgesamt bescheinigen muss, mit großem Spielwitz und auf hohem darstellerischem Niveau zu agieren. Herauszuheben ist hier Markus Roder, der als das Schlitzohr Glitchko schnell die Lacher, und, nach einigen ethnischen Verwandlungen, als (perfekter!) Rudi Carell das Premierenpublikum vollständig auf seiner Seite hatte. Da aber ist die Dramaturgie (Dramaturgie und Regie Mathias Neuber) durch einen großen historischen Schlenker bereits bei
der Schlusspointe angelangt: die Nationen kommen und gehen, und der Mensch naja, wird auch nicht ewig bleiben. Es gab langanhaltenden Applaus.
Felicitas Glück
Es spielen:
Markus Roder
Caterina Schacht
Sandra Barthold
Elke Noack
Ypsi Ciupack
Benjamin Hantschke
Holger Püschel
Texte: Mathias Neuber, Stephan Hehl
Dramaturgie und Regie: Mathias Neuber