Jura Soyfer

Leben, Werk, Zeit

8.12.1912 Jura Soyfer wird in Charkow/Charkiv geboren. Die Stadt entwickelt sich in dieser Zeit im Zuge der Industrialisierung zu einer Metropole.
Soyfers Vater, Wladimir, ist Industrieller, die Mutter, Ljubov, eine Salondame. Soyfer lernt neben seiner Muttersprache Russisch vom Kindermädchen auch Französisch und schreibt seine ersten Gedichte in Französisch und Deutsch.


1917 Oktoberrevolution Interventionstruppen aus rund 20 Ländern marschieren in das revolutionäre Russland ein. Die Stadt Charkow wechselt mehrfach die Herrschaft. Unter den Konterrevolutionären kommt es zu antisemitischen Pogromen.
1920 Flucht der Familie über Istanbul nach Wien. Österreich ist zu dieser Zeit tief gespalten durch soziale Konflikte, durch unterschiedliche Orientierung in der nationalen Frage. Neben der Staatsmacht existieren paramilitärische Gruppen.
1931 Matura. Inskribiert Deutsch und Geschichte an der Universität Wien. Beitritt zur Akademischen Legion der Sozialistischen Studenten. Unter dem Namen Jura beginnt er regelmäßig in der Arbeiter-Zeitung zu publizieren.
1932 Tippeltour durch Deutschland: Reportagen aus Deutschland in der Arbeiter-Zeitung.

1936 Stücke: Weltuntergang (Aufführung: ABC), Der Lechner Edi schaut ins Paradies (Aufführung: Literatur am Naschmarkt)
1937 Stücke im ABC: Astoria, Vineta, Broadway-Melodie 1492 (letzteres: Bearbeitung des Stückes Kolumbus von Hasenclever/Tucholsky).
Verhaftung wegen kommunistischer Betätigung. Ein Koffer voller Manuskripte wird beschlagnahmt, der bisher nicht mehr aufgefunden werden konnte (und damit auch viele Manuskripte wie das Stück Pinguine). Inhaftierung: Landesgericht Wien.
1938
Entlassung am 17.2. im Rahmen einer Amnestie für Politische Gefangene.
12.3. Einmarsch der Hitler-Armee in Österreich.
13.3. Verhaftung an der Grenze zur Schweiz durch österreichische Grenzbeamte, die noch keinen Diensteid auf Hitler-Deutschland geleistet hatten.
23.6. Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau. Entstehung des Dachau-Lieds. September: Transport ins KZ Buchenwald. Beteiligung am Widerstand durch das illegale Lagerkomitee (darunter mit Sketches).

1939 Jura Soyfers Eltern landen am 9.2. in New York.
Jura Soyfer stirbt am 16.2. im KZ Buchenwald (mit nur 26 Jahren).

Trotz intensiver Bemühungen vieler FreundInnen von Jura Soyfer und vor allem von Otto Tausig und Herbert Steiner noch im Exil in England sind eine Vielzahl von Texten bis heute nicht auffindbar.
Darunter: Kasperl sucht ein Stück, Auf dem Goldblocksberg, Dreigroschenoper angewandt, Aber die Mumien schweigen, die Sketches aus dem KZ Buchenwald, das vollständige Romanmanuskript (überliefert wurden bisher nur Fragmente).